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Interview mit dem neuen sportlichen Leiter Alexander Treusch

News der 1.Mannschaft


„Wir befinden uns auf dem richtigen Weg“

Alex, Du bist seit knapp drei Monaten sportlicher Leiter im Vorstand der Darmstadt Dukes. Viele Mitglieder kennen Dich noch nicht. Könntest Du Dich bitte kurz vorstellen? Ich werde dieses Jahr 60 Jahre alt, wohne in Darmstadt und habe rund zwanzig Jahre als Goalie im Profibereich in Tschechien und Deutschland gespielt. Ich versuche, dieses Wissen und diese Erfahrung im Verein weiterzugeben. Ich bin noch halbtags berufstätig in einer Kfz-Werkstätte und bin ansonsten in meiner Freizeit für den Verein da.

Du hast damit eine ehrenamtliche Aufgabe übernommen, obwohl Du nie bei den Dukes gespielt hast. Was hat Dich daran gereizt, dieses Amt zu übernehmen? Die Liebe zu diesem Sport. Ich habe Eishockey mit Enthusiasmus und Willenskraft gespielt. Dieser Sport hat mir in meinem Leben so viel gegeben, dass ich jetzt an einem Punkt bin, dieses Wissen weitergeben zu wollen. Ich habe im Herbst Stefan Lenz, unseren ersten Vorsitzenden, und Bob Kratochvil, unseren Chefcoach, kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden und gemerkt, dass wir eine gute Basis haben, um erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Was sind Deine Aufgaben als sportlicher Leiter? Ich bin das Bindeglied zwischen Vorstand, Trainern, den Eltern und den Kindern. Meine Aufgabe ist es, sportliche Entwicklungen zu sehen, auf die ein Trainer, der sich ja auf seinen Trainingsplan konzentrieren muss, nicht unbedingt achten kann. Ich muss sicherstellen, dass unsere Trainer in einem optimalen Umfeld arbeiten. Dann geht es darum, den Spielbetrieb zu organisieren. Wir haben einen gravierenden Mangel an Betreuern, Teamleitern und Helfern. Außerdem achte ich auf einzelne Spieler, die meiner Meinung nach Potenzial bieten, um diese zusammen mit den Trainern gezielt zu fördern. Das gilt nicht nur im taktischen Bereich, sondern vor allem im mentalen. Denn von einem bestimmten Leistungsniveau an entscheidet nicht mehr das Training, ob sich ein Spieler weiterentwickelt, sondern seine mentale Einstellung.  

Wie sehen jetzt Deine Wochen aus, nachdem Du dieses Amt übernommen hast? An meinen Wochenenden bin ich ausschließlich für den Verein da. Das geht los am Donnerstagnachmittag mit dem Laufschultraining. Danach kommt die U15, dann das Senioren- und das U20-Training. Da ist der Tag bis 21 Uhr gelaufen. Ich bin jedes Wochenende mit dem Verein auf Spielen, auch auf den Auswärtsspielen, in allen Altersklassen. Diese Nacht bin ich um halb vier aus Moers nach Hause gekommen und schaue mir heute Mittag das Turnier an, das unsere U9 in Bad Nauheim spielt. So verbringe ich meine Wochenenden komplett für den Verein, rede viel mit Trainern, Betreuern, Spielern, Eltern und anderen Vereinen, um die Dukes sportlich voranzubringen.

Wir sitzen im Vereinsheim der Roten Teufel Bad Nauheim und haben uns gerade das Turnier angeschaut, an dem unsere U9 teilgenommen hat. Was sind Deine ersten Eindrücke von unserer Nachwuchsarbeit? Ich habe mir alle Bereiche angeschaut. Ich habe mit der U20 angefangen und mit der U15 weitergemacht. Joe Müller leistet hervorragende Arbeit mit unserer U15. Heute sehe ich zum ersten Mal unsere U9. Torsten Koch führt ja diese Mannschaft und leistet Vorbildliches in der Betreuung unseres Nachwuchses. Ich bin froh, dass er durch unseren Head Coach Bob eine gute Unterstützung hat. Was ich heute auf diesem U9-Turnier gesehen habe, stimmt mich zuversichtlich. Ich habe 20 Kinder gesehen, die mir riesige Freude geben, weil sie mit einer solchen Begeisterung auf dem Eis sind. Das zeigt mir, dass wir uns im Nachwuchs auf dem richtigen Weg befinden.

Wir sind ja ein Verein, der einzig und allein von ehrenamtlichem Engagement abhängt. Darin unterscheiden sind wir uns von den Vereinen in der Region, die eine Profi-Abteilung im Rücken haben. Welche großen Baustellen liegen aus Deiner Sicht vor uns? Das ist richtig, was Du sagst. Wir haben einen Personalmangel in unserem Verein. Wir brauchen mehr Betreuer, Helfer und Trainer. Bis zur U15 arbeiten die Eltern vorbildlich mit, und ich will an dieser Stelle allen Eltern danken, die unseren Verein so tatkräftig unterstützen. Das funktioniert hervorragend in den unteren Altersgruppen. In den Bereichen  U20 und Senioren fehlen uns jedoch noch Helfer. Ich arbeite mit Hochdruck daran, diese Lücken zu schließen und mehr Vereinsmitglieder und Eltern in das Vereinsleben einzubinden.

Welche Form von Unterstützung sucht Ihr konkret? Wir brauchen bei jedem Heimspiel Betreuer der Strafbank und Zeitnehmer. Das sind schon einmal sechs Personen, die wir brauchen, um ein Heimspiel auszurichten. Dann brauchen wir für jede Mannschaft einen Teamleiter, der das Administrative rund um das Spiel betreut. Schließlich brauchen wir zwei Helfer, die Trinkflaschen auffüllen und die Mannschaft während des Spiels betreuen. 

Da kann man doch mit wenig Zeitaufwand viel bewirken für den Verein? Es genügt völlig, vor einem Heimspiel etwas früher da zu sein und mitzuhelfen. Bei Auswärtsspielen müssen neben dem Trainer und dem Teamleiter nur noch zwei Helfer mitfahren. Es genügt auch eine kurze Anweisung, um diese Aufgaben zu übernehmen.

Unsere erste Mannschaft spielt in der Hessenliga. Was ist Dein Ziel für die Senioren? Ich will es ganz klar sagen: Es passt nicht zu Darmstadt, dass wir in der Hessenliga herumeiern. Wir haben ein Einzugsgebiet von 130.000, 150.000 Einwohnern mit weltbekannten Unternehmen. Unser Anspruch sollte höher sein. Unser Ziel für die erste Mannschaft muss sein, dass wir sie auf das Niveau der NRW-Liga bringen und in den nächsten Jahren in die Regionalliga führen. Dazu müssen wir die Jugend so gut aufstellen, dass so viele gute Spieler nachkommen, damit sich unsere erste Mannschaft in der Regionalliga weiterentwickeln kann. Wir haben großen Zulauf in der Laufschule und der U7. Das macht richtig Spaß zu sehen, wie voll mittlerweile das Eis im Training ist.

Wo willst Du hier Deine Schwerpunkte setzen? In der Laufschule sehe ich keine Schwachstellen. Und Du hast völlig recht: Es macht Spaß zu sehen, wie sich das entwickelt. Unser kurzfristiges Ziel ist, Laufschule und U7 so zu stabilisieren, damit wir diese Kinder für die weitere Ausbildung den Trainern der U9 übergeben können. In dieser rasanten Entwicklung sehe ich aber das Problem, dass wir an unsere Kapazitätsgrenzen kommen und nicht so viele Kinder aufnehmen können, wie sich zum Probetraining anmelden. Wir haben 40 bis 45 Kinder auf dem Eis, die Fläche in vier Abteilungen aufgeteilt, acht Helfer und einen Head Coach, der das alles managt. Das Vorstandsteam arbeitet nun daran die Trainingsbedingungen unter den gegebenen Voraussetzungen zu optimieren.

In Deiner ersten Zeit als sportlicher Leiter bist Du vor allem als Problemlöser aufgetreten. Was sind die Glücksmomente, die Dir Freude an diesem Amt geben? Bis jetzt gab es noch nicht so viele. Gestern Abend in Moers hatte ich schon gedacht, ich hätte endlich einen. Aber dann hat er sich in den letzten Spielminuten unglücklich in Luft aufgelöst. Wir haben die letzten vier Spiele allesamt Spitz auf Knopf verloren. Wir waren immer dran und haben Eishockey gespielt, wie es unsere Gegner nie von uns erwartet hätten. Unter Bob wird in unserem Trainingsbereich extrem gut gearbeitet. Aber wir sind offenbar noch nicht mental fähig, diesen Sieg davonzutragen. Und damit tue ich mich schwer, weil ich immer ein siegorientierter Spieler war und es bis heute bin.

Vielen Dank, Alex, für dieses Gespräch. Wir hoffen, dass Du bei den Dukes viele Glücksmomente erleben wirst, auch sportliche.

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