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Interview mit dem 1. Vorsitzenden Stefan Lenz

News der 1.Mannschaft


 „Wir sehen unsere Rolle im Breitensport“

Interview mit unserem 1. Vorsitzenden Stefan Lenz

Das Saisonende kam für uns sehr abrupt Mitte März wegen des Coronavirus. Wie stark hat das unseren Verein getroffen?

Das war natürlich für uns alle schade, dass wir die Saison drei Wochen früher beenden mussten. Wir hatten gerade für die U9 noch drei schöne Turnierteilnahmen in Eppelheim bei Heidelberg, Dinslaken und Straßburg vorgesehen. Auf diesen Saisonabschluss hatten sich alle gefreut, und entsprechend traurig waren unsere Kinder. Aber es war die richtige Entscheidung, die Saison vorzeitig zu beenden.

Unsere 1. Mannschaft stand vor dem Ende des Spielbetriebs auf dem 1. Platz im Wettkampf um den Landesmeistertitel in der Hessenliga. Wie zufrieden bist Du mit dem Saisonverlauf?

Den ersten Platz darf man nicht überbewerten, weil die Tabelle verzerrt ist. Es haben nicht alle Mannschaften dieselbe Spielzahl, weil Eintracht Frankfurt auf dem zweiten Rang ein Spiel weniger hatte und Lauterbach zwei Spiele weniger. Wir können uns nicht als Landesmeister fühlen. Trotzdem hat die erste Mannschaft uns alle in dieser Saison überrascht. Unser neuer Headcoach Bob Kratochvil hat hervorragende Arbeit geleistet, der ein ganz neues Team aufbaute. Mit dem Saisonverlauf können wir sehr zufrieden sein. Jetzt geht unser Blick in die nächste Saison, und da wollen wir noch vieles verbessern.

Für Dich geht gerade die zweite Saison als 1. Vorsitzender zu Ende. Wie sieht Dein persönliches Fazit aus?

Es war eine anstrengende Zeit, die viel Arbeit mit sich gebracht hat. Aber wir haben auch vieles erreicht. So haben wir zum Teil komplett neue Strukturen im Verein aufgebaut. Ich bin sehr dankbar, dass wir im Verein als großes Team zusammenarbeiten. Deshalb geht nach dieser Saison mein Dank an die vielen Unterstützer des Vereins, an die Trainer, Übungsleiter, Betreuer, Helfer, meine Vorstandskollegen und all die Eltern, die in vielfältiger Weise diesen Verein tragen. Das ist nicht selbstverständlich. Die meisten von uns übernehmen diese Aufgaben ja zusätzlich zu Beruf und Familie, und das funktioniert nur, wenn die ehrenamtlichen Unterstützer auch von ihren Familien unterstützt werden. Aber es liegt auch noch viel Arbeit vor uns. So arbeiten wir an einem neuen Vereinskonzept, das den ESC Darmstadt weiter nach vorne tragen soll.

Was wird in diesem Konzept stehen? In welche Richtung soll sich der Verein entwickeln?

Wir wollen eine langfristig tragfähige Organisation für den Verein schaffen, und wir wollen uns klare Ziele setzen. So werden wir in unserem sportlichen Teil des Konzepts für alle Altersklassen Trainingsziele definieren, an denen sich unsere Trainer und Übungsleiter orientieren können. Damit schärfen wir auch unser Profil als Verein, der sich dem Hobby- und Breitensport verpflichtet fühlt. Damit erfüllen wir eine wichtige Rolle in Darmstadt, das ja nicht nur Wissenschafts-, sondern auch Sportstadt ist.

Wo siehst Du den ESC Darmstadt in unserer Region, die für starkes Eishockey steht? Im Süden haben wir die Adler Mannheim, eine der großen Mannschaften im deutschen Eishockey. Im Norden haben wir mit den Löwen Frankfurt und den Roten Teufeln Bad Nauheim zwei weitere große Vereine.

Wir sehen den ESC zum Einen als Verein, der einer großen Zahl an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Darmstadt und Umgebung Eishockey ermöglicht, weil dieser Sport so vielseitig ist: Er trainiert Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination und den Teamgeist. Aber wir sehen unsere Rolle im hessischen Eishockey auch als Ausbildungsverein, der Talente entdeckt und fördert, dann aber auch bereit ist, diese an größere Vereine abzugeben. Umgekehrt würden wir über eine Kooperation diese Vereine auch die Möglichkeit geben, ihren Spielern bei uns zusätzliche Spielpraxis zu ermöglichen, wenn sie diese beim größeren Verein noch nicht bekommen. Wir werden immer ein Verein sein, der vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder und Unterstützer lebt. Damit erfüllen wir eine wichtige Rolle in Darmstadt, und das macht den Verein, finde ich, auch sympathisch.

Viele waren, glaube ich, überrascht, wie viele Kinder in dieser Saison neu zum Eishockey gekommen sind. Wir hatten sicher mehr als 50 Anfänger in der Laufschule und einige Spieler, die von anderen Vereinen kommen. Welche Ziele setzt Du Dir für unseren Nachwuchs?

Der Nachwuchs hat sich bei uns in der Tat enorm entwickelt. Da gebe ich Dir recht. Und das freut mich auch besonders, weil es wichtig ist in dieser Zeit, in der Tablets, soziale Medien und Internet so verführerisch sind, Kinder an regelmäßigen Sport heranzuführen. Es macht Freude zu sehen, wie schnell sich die Kinder körperlich entwickeln, wenn sie Eishockey spielen, und wie sie Selbstsicherheit und Selbstvertrauen gewinnen. Den Nachwuchs wollen wir ausbauen. In der nächsten Saison werden wir erstmals wieder eine Mannschaft jeweils für die U7, die U9 und die U11 zum Spielbetrieb melden. Aber uns geht es nicht nur um Leistung. Wir wollen möglichst vielen Kindern Eishockey ermöglichen. Für diese Kinder werden wir Freundschaftsspiele und Freundschaftsturniere organisieren oder daran teilnehmen, damit unser gesamter Nachwuchs Spielerfahrung sammelt.

Das Wachstum im Nachwuchsbereich stellt ja den Verein auch vor große Herausforderungen. Wie sieht das Konzept für das Training aus?

Ich bin froh, dass wir mit Bob Kratochvil einen hauptamtlichen Coach gefunden haben, der neben der 1. Mannschaft und der U20 auch ein Herz für den Nachwuchs hat. Wir werden für die nächste Saison einen zweiten hauptamtlichen Trainer mit einer B-Lizenz einstellen. Das ist für unseren Verein eine große finanzielle Anstrengung, aber das ist uns der Nachwuchs wert. Daneben wird Tobias Wagner aus unserer 1. Mannschaft mit einer B-Lizenz für den Nachwuchs und Joe Müller mit einer C-Lizenz für die Jugendmannschaften tätig sein. Und wir haben viele Übungsleiter wie Torsten Koch, Daniel Kettler, Tina Wedel, Anton Meissner, Alexa Grimm oder Eike Busch, die ihre Freizeit zum Teil mehrmals die Woche für das Training mit unserem Nachwuchs opfern. Und dann sind da noch viele Betreuer, die unsere Übungsleiter und Trainer unterstützen. Daneben sind da noch viele Helfer, die ich leider gar nicht alle nennen kann.

Du hattest es nur kurz angesprochen. Deshalb die Nachfrage: Wo siehst Du den ESC Darmstadt im Sportgefüge der Stadt?

Leider stehen wir noch nicht dort, wo ich den ESC von seiner Bedeutung her sehen möchte. Eishockey ist nicht nur ein spannender und abwechslungsreicher Sport. Er erfüllt auch eine wichtige soziale Funktion. In unserem Verein kommen Kinder mit der unterschiedlichsten Herkunft zusammen. Dabei spielt es keine Rolle, wo die Eltern herkommen oder wieviel sie verdienen. Glücklicherweise haben wir eine Reihe treuer Sponsoren, die uns auch finanziell und in vielerlei anderer Hinsicht unterstützen, damit wir unsere Aufgabe erfüllen können. Diese Rolle wollen wir stärker deutlich machen. In diesem Jahr ist der Vorstand endlich wieder vollständig besetzt, nachdem wir Alex Treusch für die sportliche Leitung und Heinrich Lehmann als Jugendwart im Vorstand gewinnen konnten. Das entlastet mich als Vorsitzender von vielen Aufgaben, die ich zusätzlich übernehmen musste. Und dadurch habe ich mehr Luft, um unseren Verein stärker in Darmstadt einzubringen.

Jetzt haben wir ein halbes Jahr eisfreie Zeit. Wie wirst Du die verbringen?

Wir haben noch viele Pläne, an denen wir auch in den nächsten Monaten arbeiten werden. Diese Zeit werden wir nutzen, um den Verein dauerhaft weiter nach vorne zu bringen.

 

 

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